Aktuelles

Kann die Politik die Bürger nicht mehr erreichen? Oder wie erklären sich Bürgerbewegungen wie z. Z. die „Rader Perlen“.

04.11.2017 von Jürgen Wustmann


Das was die „Rader Perlen“ wollen und jetzt auch in Forderungen für „Ihre Stadt Radevormwald“ formulieren, steht auch in den Wahlprogrammen der in Radevormwald vertretenen politischen Parteien.
Ist parteipolitisches Mitwirken inzwischen - oder immer noch - so unattraktiv für den politisch interessierten Bürger, dass er sich lieber in ausserparlamentarischen Gruppen engagiert?
Werden die Programme der Parteien nicht gelesen? Oder halten sich die Parteien nicht an ihre in Wahlprogrammen aufgestellten Forderungen und Wünsche?
Ich fürchte den „Rader Perlen“ wird es so ergehen wie der vor 6-7 Jahren entstandenen Bürgerbewegung „Wir sind Radevormwald“ Diese hat sich nach einem weckrufartigen Aufbegehren relativ schnell wieder aufgelöst.
Werden somit die Parteien sich wieder durchsetzen?
Durchsetzen nicht, aber die Oberhand werden sie wieder gewinnen, bis zur nächsten Bürgerbewegung.
Werden die Parteien daraus lernen?
Aus meiner Sicht: ein klares Nein!
Die Strukturen in Parteien bleiben dem engagierten Bürger fremd. Allgemeine Diskussionen finden viel zu wenig statt, sind vielleicht auch nicht gewollt.
Weil Diskussionen auch immer mit einem nachdenken und hinterfragen der eigenen Positionen verbunden sind.
Aber Bürgerbewegungen wie seinerzeit „Wir sind Radevormwald“ und jetzt „Rader Perlen“ wecken auf, regen zur Diskussion an, zum Hinterfragen von erstarrten Positionen und erweitern den Blickwinkel.

 

Wieder oder immer noch Einzelhandel

06.06.2017 von Jürgen Wustmann

Wieder oder immer noch der Einzelhandel
Wieder oder immer noch die Innenstadt.

In der Zeitung “Die Welt“ erscheint neuerdings in regelmässigen Abständen ein Weck- oder ein Nachruf auf den deutschen Einzelhandel bzw. die Innenstadt. Ein Weckruf für die Optimisten und der Nachruf für die Pessimisten, die den Einzelhandel oder die Innenstädte schon aufgegeben haben. 
Aufgegeben habe ich den Einzelhandel noch nicht, aber es wird immer enger, zumindest für bestimmte Branchen. Irgendwie betroffen sind aber alle.
Auch das Wirtschaftsmagazin “Brand eins“ setzt sich in regelmässigen Abständen mit der Thematik auseinander. Meist kommen hier Akteure aus der der Off- und Online-Welt zu Wort. 
Im Ergebnis sind beide aber ähnlich, es ist nichts mehr wie es war.
Nur welche Schlüsse zieht der Einzelhandel daraus und welche Schlüsse ziehen die Gemeinden?
Die Gemeinden waren bisher eigentlich irgendwie aussen vor. Der Einzelhandel war/ist für sich selbst verantwortlich. Nur, wenn Gemeinden die falsche Schlüsse ziehen, reissen sie den Einzelhandel tiefer in die Krise. Gemeinden denken, wir schaffen doch nur den Rahmen. Der ist heute meistens nicht mehr zeitgemäss. Die von den Gemeinden heute beschlossenen Innenstadtkonzepte berücksichtigen den Zeitgeist gar nicht oder viel zu spät. Würden die Gemeinden die Probleme der Einzelhändler berücksichtigen, sähen deren Innenstadtkonzepte anders aus, sie würden zumindest die Stadtkerne verkleinern und Fussgängerzonen hinterfragen. Darauf habe ich schon 2008 in meinem Konzept für Radevormwald hingewiesen. In dem neueren „Die Welt“ Artikel wird dies ebenfalls benannt. 
Ob die jetzt mit der Fortschreibung des Innenstadtkonzeptes in Radevormwald wieder beauftragten Stadtplaner den Sachverhalt erkannt haben, wage ich zu bezweifeln.
Hückeswagen, welches noch kein integriertes Handlungskonzept -ein aus m. S. furchtbarer Begriff- für seine Innenstadt hat, könnte es besser machen. Könnte. In Hückeswagen haben verschiedene Einzelhändler aber von sich aus schon richtige Entscheidungen getroffen. Weg von den immer weniger frequentierten, hin zu den mit Leben gefüllten Bereichen. Nur, was passiert mit den leblosen Vierteln? Hier muss die Stadtplanung ansetzen. Hier zeigt sich auch die Qualität eines Citymanagers. Erkennt er die Problematik des Einzelhandels, erkennt er die Problematik der Gemeinde?

Hier der Link zum seinerzeitigen Innenstadtkonzept:
http://www.juergenwustmann.de/tl_files/allgemein/bilder/innenstadtkonzept-21.10.08a.pdf

Hier der Link zum Artikel in "Die Welt":
https://www.welt.de/wirtschaft/article165248634/Deutschlands-Innenstaedte-drohen-zu-veroeden.html

Da kann man sich nur aufregen

03.04.2014 von Jürgen Wustmann

J.: Warum reg ich mich so auf?
H.: Ja, warum?
J.: Weil gelogen wurde um die Innenstadt zu sanieren.
H.: Wieso gelogen?
J.: Die Verwaltung hat seinerzeit behauptet, es wäre die letzte Möglichkeit finanzielle Mittel vom Land zu bekommen.
H.: War das falsch?
J.: Ja hast du nicht gelesen?
H.: Was?
J.: Remscheid saniert jetzt auch seine Innenstadt, für 8 Mill. €. Davon muss Remscheid 2. Mill. € selber tragen. H.: Also eine ähnliche Konstellation wie in Rade.
J.: Ja.
H.: Und.
J.: Man hätte es damals nicht anleiern müssen. Es geht heute auch noch.
H.: Wo ist das Problem? Wir sind jetzt weiter.
J.: Weiter? Ja, so gesehen.
H.: Reg dich nicht so auf.
J.: Doch. Man hätte ein Stadtentwicklungskonzept für die ganze Stadt erstellen können, um auf dieser Grundlage den Umbau der Innenstadt umzusetzen.
H.: Welche Vorteile hätte das gehabt?
J.: Einmal hätte man die Auswirkungen der demographischen Entwicklungen und der Abwanderungsbewegungen im Stadtentwicklungskonzept berücksichtigen und daraus die erforderlichen Investitionen für die Stadt ableiten können. Ferner hätte man ohne Probleme die Überfahrbarkeit des Marktes testen können. Ich bin überzeugt, der Markt sähe heute anders aus und die Stadt wäre auch belebter. Denn letztendlich hat sich die Leerstandssituation nicht verbessert. Einzig der Engpass, also die westliche Kaiserstraße, zeugt von einer gewissen Lebendigkeit in dieser Stadt. Und den wollen jetzt einige an das monotone neue Grau angleichen. Die sehen einfach nicht, welches Flair der Engpass im jetzigen Zustand hat.
H.: Also wurde viel Geld rausgeschmissen.
J.: Sicher nicht überall, aber die eingesetzten Geldmittel hätten besser gesteuert werden können. Das Stadtentwicklungskonzept wird irgendwann nach 2015 erstellt. Aber Geld steht dann nicht mehr zur Verfügung, und die im Entwicklungskonzept als wichtig erachteten Punkte sind auf lange Sicht nicht umsetzbar.
H.: Also man hat in Radevormwald das Pferd von der falsche Seite her aufgezäumt.
J.: Und alles ohne Not. Wie sagte mein Meister früher immer: Erst denken dann handeln.
H.: Mein Vater sagte immer: Herr, wirf Hirn herunter.
J.: Na denn, gute Nacht